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Kann ein Kaugummi Ihr HPV um 93 % senken und krebsbedingte Mundbakterien beseitigen?

05 August 2026 · 3 min read

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Article image by Marek Piwnicki
Image by Marek Piwnicki

Philadelphia, Pennsylvania, MMN-Korrespondent: Ein Kaugummi ist vielleicht nicht das Erste, woran man bei Krebsforschung denkt. Aber ein Team der University of Pennsylvania bittet Sie, darüber nachzudenken. Ihre neue Studie, veröffentlicht in Scientific Reports, zeigt, dass ein speziell entwickelter Kaugummi aus Lablab-Bohnen den HPV-Spiegel im Speichel um bis zu 93 % senken kann. Außerdem bringt er zwei schädliche Mundbakterien auf fast null.

Wie schafft es ein einfacher Kaugummi, etwas zu tun, das nach Science-Fiction klingt? Die Antwort liegt in einem natürlichen Protein namens FRIL. FRIL kommt in Lablab-Bohnen vor und kann Viren binden und daran hindern, in Zellen einzudringen. Frühere Arbeiten desselben Forschungsteams hatten bereits gezeigt, dass dieser Bohnenkaugummi die Viruslast im Labor reduzieren kann. Diesmal gingen sie weiter und testeten ihn an Mundproben von echten Patienten mit Plattenepithelkarzinom im Kopf-Hals-Bereich, auch HNSCC genannt.

Die Idee stammt von Dr. Henry Daniell, Professor in der Abteilung für Grundlagen- und Translationswissenschaften an der Penn Dental Medicine. Er und seine Kollegen haben jahrelang erforscht, wie pflanzliche Proteine für medizinische Zwecke genutzt werden können. Für diese Studie kombinierten sie FRIL mit Protegrin, einem antimikrobiellen Peptid, das natürlicherweise im Immunsystem des Körpers vorkommt. Protegrin wirkt, indem es Bakterienmembranen aufbricht, und ist damit eine starke Waffe gegen eine Reihe von Krankheitserregern.

Als der Extrakte des entwickelten Kaugummis Speichel- und Mundspülproben von Patienten zugesetzt wurde, war die Wirkung dramatisch. Der HPV-Spiegel fiel im Speichel um 93 % und in Mundspülungen um 80 %. Hochriskante HPV-Stämme, insbesondere HPV-16 und HPV-18, stehen in engem Zusammenhang mit Krebserkrankungen des Oropharynx. Eine so große Reduktion könnte also einen echten Unterschied machen. In denselben Experimenten brachte eine einzelne Dosis Porphyromonas gingivalis und Fusobacterium nucleatum auf nahezu nicht nachweisbare Werte. Beide Bakterien werden mit Parodontitis und schlechteren Ergebnissen bei Mundhöhlenkrebs in Verbindung gebracht.

Eines der bemerkenswertesten Ergebnisse war, dass der Kaugummi die nützlichen Bakterien im Mund nicht auslöschte. Er ging gezielt gegen die problematischen Mikroben vor und ließ die hilfreiche Gemeinschaft von Organismen intakt, die ein gesundes orales Mikrobiom ausmachen. Das ist wichtig, weil diese Gemeinschaft Verdauung, Immunfunktion und Schutz vor opportunistischen Infektionen unterstützt. Dieses Gleichgewicht zu erhalten, kann besonders für Krebspatienten wertvoll sein.

Die möglichen Anwendungen gehen über die Behandlung hinaus. Da der Kaugummi kostengünstig und einfach herzustellen ist, könnte er als Präventionsmittel in Gemeinschaften dienen, in denen die HPV-Impfrate niedrig ist oder der Zugang zu fortgeschrittener Krebsbehandlung eingeschränkt ist. Für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen könnte ein kostengünstiger Kaugummi, der die Virus- und Bakterienlast reduziert, ein praktischer Weg sein, ein ernstes Gesundheitsproblem anzugehen.

Dr. Daniell und sein Team weisen schnell darauf hin, dass diese Ergebnisse aus Ex-vivo-Experimenten stammen. Das bedeutet, dass die Kaugummiextrakte im Labor an Patientenproben getestet wurden, nicht an Menschen, die den Kaugummi kauen. Klinische Studien sind der nächste Schritt. Sie werden zeigen, ob diese vielversprechenden Effekte im realen Einsatz Bestand haben. Wenn ja, könnte der Kaugummi zusätzlich zu Standardbehandlungen oder als Präventionsoption für Menschen mit hohem Risiko eingesetzt werden.

An der Studie waren Forscher mehrerer Institutionen beteiligt, darunter Penn Dental Medicine, das University of Kansas Medical Center, die UCLA und das Veterans Administration Greater Los Angeles Healthcare System. Unterstützt wurde sie von den National Institutes of Health, einem Academic Senate Grant der David Geffen School of Medicine an der UCLA und dem National Cancer Institute Cancer Center.

Dieser Ansatz hat etwas Elegantes. Er nutzt Proteine und Peptide, die die Natur bereits zur Bekämpfung von Infektionen geformt hat, und verpackt sie in etwas so Vertrautes wie Kaugummi. Da Kopf-Hals-Krebserkrankungen, insbesondere solche im Zusammenhang mit HPV, weiter zunehmen, weisen Innovationen wie diese auf eine Zukunft hin, in der Prävention so einfach sein könnte wie das Kauen eines Kaugummis. Das Team verfeinert nun die Formulierung und untersucht, ob der Kaugummi auch gegen andere Viren und Bakterien wirken könnte. Ein kleines Stück Kaugummi, das einst als selbstverständlich galt, könnte eines Tages ein alltäglicher Bestandteil der Krebsbehandlung werden.